Blockade der Straße von Hormus setzt die Energiemärkte unter Druck – Hoffnung auf Verhandlungen in Peking
von Jonna Heiser
Aktuelle Entwicklungen an den Energie- und Rohstoffmärkten
Die globalen Ölmärkte eröffnen die Woche mit einem Plus bei den Preisen: Die europäische Nordsee-Referenzsorte Brent liegt aktuell bei rund 105,50 USD pro Barrel, während die US-Sorte WTI sich auf einem etwas niedrigeren Niveau um etwa 101 USD einpendelt. Parallel dazu kostet eine Tonne Gasöl zur Lieferung im Mai derzeit rund 1.220 Dollar. Unterstützung erhält der europäische Markt zudem vom vergleichsweise starken Euro, der sich am Morgen zu Kursen um rund 1,1750 USD behauptet. Vor diesem Hintergrund ziehen auch die Heizölpreise an. Marktbeobachter erwarten kurzfristig Aufschläge von zwei bis vier Cent pro Liter zu Beginn der Woche. Ausschlaggebend dafür ist vor allem die weiterhin angespannte geopolitische Lage. Die diplomatische Annäherung zwischen den USA und dem Iran ist erneut gescheitert, während die Straße von Hormus weiterhin blockiert bleibt. Durch diese Entwicklungen wird das weltweite Angebot knapper, während die Risikoprämien steigen.
Preisentwicklungen in Deutschland
Ein Blick auf die Preisentwicklung in Deutschland zeigt dabei ein gemischtes Bild. An den Tankstellen sind die Preise infolge des eingeführten Tankrabatts zwischen dem 30. April und dem 6. Mai spürbar gesunken. Bei Benzin (E5/E10) im Schnitt um knapp 12 Cent pro Liter, bei Diesel sogar um rund 15 Cent. Noch deutlicher fiel der Rückgang auf Großhandelsebene aus. Hier verbilligten sich die Preise für Benzin netto um etwa 17 Cent pro Liter und für Diesel um rund 24 Cent. Demgegenüber steht jedoch ein deutlicher Anstieg der Rohölpreise im gleichen Zeitraum. Vom 19. April bis zum 6. Mai legte der Preis um mehr als 14 Prozent zu, was einem Anstieg von 47,57 auf 54,42 Cent pro Liter entspricht. In der jüngsten Betrachtung seit dem 30. April zeigt sich zwar eher eine Seitwärtsbewegung beziehungsweise eine leichte Abschwächung, doch das übergeordnete Niveau bleibt erhöht.
Hoffnung auf neue politische Veränderungen
Im Zentrum der aktuellen Marktdynamik steht weiterhin der Konflikt zwischen den USA und dem Iran. Teheran lehnt die Bedingungen Washingtons ab und setzt damit die US-Regierung unter erheblichen Druck. Die anhaltende Blockade der Straße von Hormus wirkt wie ein Hebel. Jeder zusätzliche Tag ohne Entspannung verschärft die Situation für die USA und treibt die Ölpreise weiter nach oben. Beobachter sehen darin eine strategische Verzögerungstaktik des Iran, der seine Verhandlungsposition stärkt und zugleich neue Druckmittel ins Spiel bringt. Für die USA ergeben sich daraus nur begrenzte Optionen. Eine militärische Eskalation zur Öffnung der wichtigen Handelsroute würde erhebliche Risiken bergen, während ein Abwarten die eigene Verhandlungsposition weiter schwächen könnte. Entsprechend richten sich die Hoffnungen nun auf das für Mittwoch angesetzte Treffen zwischen Trump und Chinas Staatspräsident Xi Jinping in Peking. China pflegt traditionell gute Beziehungen zum Iran und könnte als Vermittler eine Schlüsselrolle einnehmen. Parallel dazu gibt es vorsichtige Signale der Entspannung im Ukraine-Krieg. Russlands Präsident Putin hat sich offen für direkte Gespräche mit dem ukrainischen Präsidenten Selenskyj gezeigt und den ehemaligen deutschen Bundeskanzler Gerhard Schröder als möglichen Vermittler ins Gespräch gebracht. Sollte sich hier tatsächlich ein diplomatisches Fenster öffnen, könnte dies auch dämpfend auf die Energiepreise wirken.
Ausblick
Kurzfristig dürfte der Ölmarkt volatil bleiben. Entscheidend wird sein, ob es in den kommenden Tagen zu Fortschritten im Dialog zwischen den USA, China und dem Iran kommt. Eine Entspannung rund um die Straße von Hormus könnte die Preislage schnell entspannen. Bleibt diese aus, ist mit weiter steigenden Notierungen und spürbaren Folgen für Verbraucher und Wirtschaft zu rechnen.