Diplomatie kommt nicht voran: Konflikte in Nahost und der Ukraine prägen weiterhin den Ölmarkt

von Jonna Heiser

Aktuelle Entwicklungen an den Energie- und Rohstoffmärkten

Die internationalen Ölmärkte starten mit kräftigen Aufschlägen in die neue Handelswoche. Die Nordseesorte Brent verteuerte sich zuletzt um gut zwei Prozent und notiert bei 107,49 US‑Dollar pro Barrel. Auch WTI zog um knapp zwei Prozent auf 96,17 Dollar an. Infolge der steigenden Rohölpreise ziehen auch die Heizölnotierungen an. Zum Wochenbeginn wird ein Preisplus von etwa ein bis zwei Cent pro Liter erwartet. Im Vergleich zum Dollar legt der Euro leicht zu und wird am Morgen zu Kursen um etwa 1,1730 USD gehandelt.

Hauptauslöser der aktuellen Aufwärtsbewegung sind die anhaltenden geopolitischen Unsicherheiten. Vor allem die weiter stockenden Friedensbemühungen zwischen den USA und dem Iran belasten die Stimmung an den Märkten. Ein zuletzt erwartetes Treffen zwischen Vertretern beider Staaten kam am Wochenende nicht zustande und dämpfte damit Hoffnungen auf eine politische Entspannung im Nahen Osten. So sagte US‑Präsident Donald Trump eine geplante Reise seiner Beauftragten nach Pakistan ab, obwohl der iranische Außenminister Abbas Aragtschi bereits vor Ort war. Vor diesem Hintergrund reagierten auch Analysten mit neuen Prognosen. Die US‑Investmentbank Goldman Sachs hob ihre Erwartungen für das vierte Quartal an und rechnet nun mit einem Brent‑Preis von 90 US‑Dollar pro Barrel sowie 83 Dollar für WTI. Die wirtschaftlichen Risiken seien derzeit höher, als es die bisherigen Annahmen für den Ölmarkt vermuten ließen.

Zentrale Transportwege unter Druck
 

Zusätzlich verschärft die weiterhin bestehende Sperrung der Straße von Hormus, die für etwa 30% des weltweiten Ölhandels Bedeutung trägt, die Lage. Iranische Revolutionsgarden warnen vor Seeminen in zentralen Schifffahrtswegen. Eine vollständige Räumung dieser gilt als äußerst aufwendig und könnte je nach Umfang, Typ der Minen und Sicherheitslage, Wochen bis Monate in Anspruch nehmen. Auch der Krieg in der Ukraine bleibt ein wichtiger Faktor für die Entwicklung am Ölmarkt. Zwar scheinen über die Druschba‑Pipeline erneut russische Öllieferungen Ungarn und die Slowakei zu erreichen, zugleich hat Moskau den Transit kasachischen Rohöls nach Nordostdeutschland jedoch vorerst ausgesetzt. Damit bleibt die Versorgungslage in Teilen Europas angespannt. Bereits seit Ende Januar war kein Erdöl mehr über ukrainisches Gebiet nach Ungarn und in die Slowakei geflossen. Kiew erklärte inzwischen, die beschädigte Pipeline instand gesetzt zu haben. Eine Wiederaufnahme des Betriebs stellte Präsident Selenskyj allerdings unter Bedingungen. Demnach macht die Ukraine weitere Öllieferungen an EU‑Staaten von der Freigabe der für sie vorgesehenen milliardenschweren Finanzhilfen abhängig.

Ausblick

In nächster Zeit bleibt der Ölmarkt stark von der internationalen Konfliktlage geprägt. Solange sowohl im Nahost‑Konflikt als auch in den diplomatischen Beziehungen zwischen den USA und dem Iran keine Fortschritte erzielt werden, ist kaum mit einer nachhaltigen Entlastung der Preise zu rechnen. Zusätzliche Risiken ergeben sich aus möglichen weiteren Störungen von Transportwegen und Lieferketten. Händler und Marktbeobachter erwarten daher weiterhin eine volatile Entwicklung mit tendenziell steigenden Öl‑ und Heizölpreisen. Erst klare politische Signale oder neue Verhandlungen könnten für spürbare Entspannung sorgen.