Ölpreise bleiben volatil trotz geplanter Steuerentlastung
von Jonna Heiser
Aktuelle Entwicklungen an den Energie- und Rohstoffmärkten
Die Ölpreise WTI und Brent haben sich in der letzten Woche stark verändert. Die unerwartete Verkündung Irans, die Straße von Hormus wieder für den internationalen Schiffsverkehr zu öffnen, sorgte am Freitag kurzzeitig für Entspannung und einen starken Preisrückgang der Rohölpreise von über 10 %. Doch die Lage verschärfte sich rasch, nachdem sich neue Zwischenfälle in der Handelsstraße ereigneten. Am Sonntag brachte die US-Marine einen iranischen Frachter unter ihre Kontrolle, der Kurs auf Bandar Abbas hatte. Aus iranischer Sicht handelte es sich um einen Fall von bewaffneter Piraterie, auf den man reagieren werde. Mit dem Auslaufen der zweiwöchigen Waffenruhe am Mittwoch droht bei fehlenden neuen Verhandlungen ein erneuter Stillstand der Ölversorgung.
Infolgedessen zogen die Ölpreise wieder kräftig an. Brent stieg auf knapp 97 USD, WTI auf rund 90 USD pro Barrel. Entsprechend werden Heizölpreise heute um etwa 3–5 Cent pro Liter höher erwartet.
Am Devisenmarkt zeigte sich der Euro volatil. Nach einem Anstieg über 1,18 USD fiel er zuletzt wieder auf etwa 1,1750 USD, belastet durch die erneute Verschärfung des Konflikts. Während Brent als internationaler Benchmark sensibel auf Nachfrageunsicherheiten in Europa und Asien reagiert, wird WTI vor allem durch die Produktionsdaten und Lagerbestände in den Vereinigten Staaten beeinflusst.
Ölsteuersenkung in Deutschland
Die Ölsteuersenkung soll ab dem 1.Mai bis zum 30. Juni in Kraft treten. Diese Senkung von 14,04 Cent pro Liter betrifft die Energiesteuer für Diesel und Benzin. Wie stark und wie schnell die Steuersenkung an der Zapfsäule spürbar wird, ist derzeit offen. Zwar wird die Entlastung grundsätzlich an die Verbraucher weitergegeben, doch der konkrete Preiseffekt hängt stark von der Entwicklung an den internationalen Märkten ab. Aufgrund der aktuell sehr schwankenden Weltmarktpreise kann der Rückgang geringer oder auch höher ausfallen, da der Kraftstoffpreis von zahlreichen Faktoren beeinflusst wird.
Ausblick
Solange keine neue Einigung zwischen den Konfliktparteien erzielt wird, dürfte die Lage am Ölmarkt angespannt und die Preisentwicklung volatil bleiben. Das Auslaufen der Waffenruhe erhöht kurzfristig das Risiko erneuter Versorgungsunterbrechungen, was tendenziell preistreibend wirkt. Die in Deutschland geplante Steuersenkung kann zwar dämpfend auf die Kraftstoffpreise wirken, ihr Effekt wird jedoch stark von den internationalen Rohöl- und Devisenmärkten beeinflusst. Insgesamt ist daher auch in den kommenden Wochen mit spürbaren Preisschwankungen zu rechnen.