Weiterer Anstieg nach Gaslieferstopp für Polen und Bulgarien

Ölmarkt: Weiterer Anstieg nach Gaslieferstopp für Polen und Bulgarien

ICE Gasoil hat am Mittwoch mit 1129,25 USD den Handel verlassen, das ist ein Plus von 63,75 USD zum Vortag. Heute Morgen zum Start tendiert die ICE weiter aufwärts und handelt aktuell 1175 USD bis 1180 USD.

Nachdem Russland gestern einen Lieferstopp für Gas an Polen und Bulgarien ausgesprochen hat, haben die Preise für Öl und Gas an den Terminbörsen kräftig zugelegt.

Die DOE-Daten von gestern Nachmittag sind bullisher ausgefallen als die API-Daten am Vorabend. DOE Daten: Rohöl: +0,692 mb, Destillate: -1,449 mb und Benzin: -1,573mb. Das American Petroleum Institut hat am Vorabend einen Aufbau von 4,780 mb beim Rohöl vermeldet.

Wirtschaftsminister Habeck (Grüne) sieht die Möglichkeit, innerhalb weniger Tage unabhängig vom russischen Öl zu sein. Im Moment lotet sein Ministerium Möglichkeiten aus, die Raffinerien in Leuna und Schwedt mit Rohöl über den Rostocker Hafen und über Danzig in Polen zu versorgen. Hierzu gab es schon die letzten Tage mit dem Ministerium in Polen Gespräche und dem Vernehmen nach wären nur noch wenige technische Details zu besprechen. Die Raffinerie Schwedt versorgt z. Zt. den Großraum Berlin, Brandenburg und Westpolen mit Produkten. Habeck kann sich auch eine Verstaatlichung der Raffinerie in Schwedt vorstellen. Ob die Anteilseigner Shell und ENI davon auch betroffen sind, kann im Moment noch nicht gesagt werden.

In Italien gibt es Pläne, die größte Raffinerie im Lande, die von der Lukoil betrieben wird, zu verstaatlichen. Es ist zu mindestens eines der Punkte auf der nächsten Kabinettssitzung. Lt. Reuters haben sich gestern Aktivisten an 5 verschiedenen Orten in Deutschland Ölpipelines blockiert. (Berlin, München, Greifswald, Leipzig und Koblenz)

Europa hat Probleme in der Dieselversorgung.  Versorgungsdefizite gab es auch schon vor Ausbruch des Krieges, ein Ölembargo gegen Russland würde die Situation weiter verschärfen. Ein Umschwenken, zukünftig viel mehr amerikanisches Öl zu kaufen, ist auch keine Lösung von Dauer.

Zurzeit hat Deutschland sehr starke regionale Verwerfungen bei den Preisen, der Süden ist zu anderen Standorten in Deutschland „sehr günstig“, aber genau an diesen Plätzen ist keine große Abhängigkeit vom russischen Öl. Vielleicht könnte die Freigabe von E-Fuels Entlastung in den Markt bringen. Andere Länder sind hier schon einen Schritt weiter.

China kämpft weiter mit hohen Infektionszahlen und befindet sich teilweise im harten Lockdown. Das könnte früher oder später das Zünglein an Waage sein und die Preise wieder etwas nach unten bringen. Aktuell sind aber die nächsten Schritte der EU entscheidend, wohin die Reise der Energiepreise geht. Für heute geht es nochmal aufwärts, rein rechnerisch werden Preise + 3,00 bis 3,50 Euro auf gestern erwartet, regionale Abweichungen sind möglich.

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